bulimie

Jahrestag

Gestern wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass ich seit einem Jahr bei WordPress bin.

Es hat sich viel getan, der Wunsch mit dem kotzen aufzuhören war so präsent, schlagartig, dass ich am 20. April meinen ersten bewussten kotzfreien Tag hatte.

Trotzdem war das Kotzen nur ein Symptom, eine Kompensation, ein Ausweg.

Das Kotzen hat mich abgestumpft. Die Gedanken haben mich manipuliert. Du darfst nicht zunehmen. Du musst schlank und schön sein.

Diese Gedanken waren die einzigen die ich hatte. Essen und kotzen.

Schlechter Tag? Geh kotzen!

Schöner Tag? Geh kotzen!

Langeweile? Geh kotzen!

Zeitdruck? Geh kotzen!

Ein Allheilmittel.

Ja vielleicht habe ich es die Jahre gebraucht, weil ich selbst nicht gelernt habe wie man mit etwas (alles) wirklich umgeht.

Aber ein ganzes Leben lang vor Situationen und Emotionen weglaufen? Niemals in sich spüren und versuchen zu erkennen was der Körper benötigt?

Ich habe in diesem Jahr viel gelernt. Ich habe mich kennengelernt und oftmals sogar lieben gelernt.

Liebe. Ein kleines Wort und doch hat die Bedeutung niemals in mir stattgefunden. Da war nur Hass. Aber ich hab dieses kleine Pflänzchen in mich gesetzt, an manchen Tagen wird es gegossen und gedüngt – an machen kommt eine Dürre und es muss gegen Sturm und Gewitter ankommen. Aber es ist da und es wird größer.

Nach einem Jahr bin ich bereit in mir zu arbeiten. Ich möchte meine Vergangenheit sehen. Es ist ein Nebel der sich über meine vergangenen Gedanken legt. Ich kann mich an so wenig erinnern & jedesmal wenn ich etwas darüber nachdenke taucht ein neues Bild, eine willkürliche Situation von früher auf.

Ich bin neugierig. Ich möchte sehen.

Es ist ein weiter Weg, aber ich möchte mich verändern. Nein, verändern ist das falsche Wort, denn ich bin okay wie ich bin. Ich möchte mich besser kennen und wissen warum ich so geworden bin.

Ich möchte lernen, wie man einem Kind eine Mutter sein kann, mit Gefühlen und Liebe.

Meine innere Uhr tickt irgendwie. Durch die Endometriose und das absetzen der Pille weiß ich, dass es wieder wächst und eigentlich möchte ich Leben schenken und mein Mann auch. Dieser Gedanke ist so neu. So präsent.

Dieses eine Jahr hat so viel verändert. Ich hab geheiratet. Habe meine Schulden meinem Mann gezeigt – ich wollte es immer verstecken. Ich bin nicht mehr die Kamikazeente die ich noch vor einem Jahr war. Ich bin frei.

8 Kommentare zu „Jahrestag

  1. Erst mal herzlichen Glückwunsch zum ersten Jahr!
    Wegen der Endometriose… Und Kundenwunsch… Hattest du da schon eine Bauchspiegelung? Wenn nicht, dann würde ich dir das empfehlen… Denn ohne wird es wahrscheinlich sehr schwer mit dem schwanger werden🙁 je nachdem wie schwer die Endo ist.

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Kamikazeente,

    Du bist wahrlich nicht mehr DIE Kamikazeente, die ich seinerzeit hier kennenlernte, aber Du bist immer noch DU! Das ist euin Unterschied, und zwar der schönste, der beste, den ich mir für Dich hätte wünschen können während dieser verhältnismäßig kurzen Zeit.

    Ich habe durch Dich viel lernen können über Dinge, mit denen ich mich vorher nicht oder nur kaum beschäftigt habe – damit meine ich gar nicht vordergründig Deine Erkrankung, sondern viel mehr die Art und Weise , wie Du damit und mit Dir umgegangen bist, welche Kämpfe Du geführt hast, welche Empfindungen Dich dabei begleitet haben und wie Deine Entwicklung bis hier und heute verlaufen ist.

    Ich habe das mit immer größerer Wertschätzung verfolgt und ich bin ganz glücklich gewesen eben als ich da oben las:

    „Ich bin frei“

    Dazu möchte ich Dich von Herzen beglückwünschen!

    Aber auch noch zu etwas anderem, was so ganz „nebenbei“ in Deinem Eintrag oben erwähnt stand:

    “ Ich hab geheiratet.“

    Ich habe das nicht überlesen, und da bisher in Deinen Einträgen immer noch im Futur von besagten Ereignis die Rede war, Dich kürzlich aber auch noch Deine Schneiderin herzlich umarmt hat, schlussfolgere ich nun, dass es zwischenzeitlich GESCHEHEN ist.

    Ich hoffe, ich liege nicht falsch, denn sonst würde es nun ein bisschen peinlich. – Ich wage es trotzdem:

    Ganz herzliche Gratulation an Dich zur Vermählung. ich wünsche Dir eine glückliche Beziehung, die für immer halten möge und die stets von Gesundheit, Frieden, tiefem gegenseitigen Verstehen begleitet und geprägt sein soll.

    Sehr liebe Grüße an Dich! ❤

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  3. Das ist so schön zu lesen! Es ist eine Inspiration für mich, zu hören, wieviel sich in dem einen Jahr bei dir getan hat 😊

    Der Weg, sich seiner Vergangenheit zu stellen ist kein einfacher, aber ich bin davon überzeugt, dass er sich lohnt. Ich wünsche dir dafür weiterhin so viel Mut und Kraft!

    In diesem Sinne wünsche ich deinem Blog noch alles Gute nachträglich zum Geburtstag und stoße auf ein weiteres Jahr voller spannender Selbstentdeckungen an!

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