Die ersten 2 Wochen

Die Zusammenfassung von 2 Wochen

Die ersten zwei Wochen waren sehr kritisch. Ich konnte mein Verlangen nicht steuern. Trotz geregelter Mahlzeiten war der Abend schwierig. Viel zu oft konnte ich in dieser Zeit nichts mit mir anfangen, da mein abendliches Ritual wegfiel und auch einige Vormittage unstrukturiert werden mussten. Aber ich konnte es nicht, ich saß rum und machte vorallem folgende Sachen:

  • Essen anschauen, Rezepte speichern und Hunger haben (immer). Und ich meine wirklich immer!
  • Über Bulimie recherchieren, sei es mit Büchern oder Foren und Blogs.
  • Mich bemitleiden wie fett ich war
  • Meine Launen an Allen in der Umgebung auslassen (Stimmungssschwankungen die sich wirklich minütlich ändern konnten)

Es war ein auf und ab. Durfte ich das Essen? Was war eine normale Portion? Habe ich Hunger oder sind das meine Gefühle? Bin ich satt? Darf ich noch einen Nachschlag holen? Iss langsamer! Du musst kauen! Ich suchte nach Antworten, aber es war zugegeben sehr mühselig. In den Foren durfte man keine Kalorienangaben machen, das nervte mich. Was war eine Portion? Ich nahm für das Frühstück eine Waage und wog immer 50 g ab. Mit den Tagen wurden es mehr – auf 100 g. Den Rest aß ich mittags. Ich schaute auf jede Angabe und wie viel Kalorien es hatte. Selbst sagte ich mir, ich esse wann und wie viel ich möchte, aber Herr B. manipulierte so oft er konnte. Ich wollte unbedingt ein Gefühl für eine Portion schaffen, das gelang mir nur mit dem wiegen. Irgendwo hatte ich gelesen, bei Hauptmahlzeiten, eine Hand voll „irgendwas“. Ich versuchte mich daran zu orientieren. Eine Hand voll Gemüse, eine Hand voll Kartoffel – und nicht das „greifen“, sondern eine Handfläche groß auf meinem Teller.

Das Einkaufen war schwierig, ich versuchte vorab einen Einkaufszettel zu schreiben, den ich aber immer zuhause vergaß. Meist hatte ich auch noch Hunger – ich tobte mich dann in der Obst und Gemüseabteilung aus und kaufte nichts Süßes (ich sagte mir immer, du hast noch was zuhause, das wird erst gegessen).

Dann holte ich mir eine Kalorienzählerapp, weil ich immer mehr zunahm (zumindest gefühlt – meine Waage wurde ignoriert, außer einmal leider..). Ich wog alles ab und kam immer über 2000 kcal. Na, das ist ja klar das du fett wirst.

Ich merkte innerhalb von 24 h, dass mich die App kaputt machte und löschte sie wieder. Etwa positives nahm ich aber daraus mit: im Schlaf verbrennt man Kalorien. Die Nachwehen der App waren „noch lange“ zu spüren. Ich rechnete in Gedanken einfach weiter – und jedesmal dachte ich mir „Nein, es ist egal“. Und dieser Gedanke, ich musste ihn mir immer vorhalten. Ich habe nie Kalorien gezählt Und in der Erholung damit anfangen? Nein!

In den ersten zwei Wochen begann ich auch Simeticon zu nehmen. Ich kam mir vor wie ein Ballon, immer kurz davor zu platzen. Trotz der Einnahme minimierten sich die Blähungen nicht besonders – mein Vorteil, ich konnte es auf die Op schieben (Endometriose). Unangenehm ist es trotzdem. Magen Darm Tee, Fencheltee, waren meine Begleiter – literweise.

Zusätzlich versuchte ich zum Ende der zwei Wochen Chrom dreimal täglich zu mir zu nehmen, da dies laut dem Buch „Zucker und Bulimie“ den Blutzuckerspiegel konstant hielt. Ich verplante es aber sehr oft. In der Früh erinnerte ich mich noch, aber Mittag und Abend nicht mehr. Es dauerte etwas bis ich mich daran gewöhnt hatte und es zur Routine gemacht habe. 500 mg GABA (Anmerkung: nehme ich derzeit zum schlafen gehen – da es eine  beruhigende Wirkung hat) nahm ich zudem in der Früh ein, dies ist eine Aminosäuren, welches das Nervensystem beruhigt – Opium fürs Gehirn ohne Sucht und ohne Nebenwirkungen. Ehrlich spürte ich keinen besonderen Effekt anfangs – ich nahm es einfach.

Und dann gab es noch „Opipramol“, welches ich verschrieben bekam als ich vor meiner ersten Op stand.  Ich begann es wieder zu nehmen, da es mir in der Zeit vor (und nach) der Op gut half. Es ist ein Antidepressiva, es wirkt beruhigend, Angst- und spannungslösend sowie stimmungshebend. Es macht wohl nicht abhängig – aber ein schrittweises ausschleichen empfiehlt sich. Nun, ich glaube zur Unterstützung ist es nicht schlecht, und ich dachte mir, bevor ich mich quäle und sehr oft in tiefe Löcher fiel – nahm ich es. Ich muss dazu sagen,  dass ich etwas Hintergrundwissen habe. Ich wollte etwas, was nicht abhängig macht, obwohl ich mit sämtlichen Benzodiazepine bestimmt glücklich geworden wäre. Dieses zuknallen statt dran arbeiten kreide ich in meiner Bezugsgruppe in der Arbeit immer an.

Zu den oben stehenden Mitteln kamen die die ich schon immer nahm dazu. Bierhefe, Vitamin C und Zink, Magnesium, Selen und Folsäure (mit Vitamin B). Ich hatte immer Angst, das mir zum Beispiel die Haare ausfallen (und ja, trotz Einnahme, nach 9 Jahren passierte es). Trocken und spröde trotz diversen Haarmittelchen waren sie schon sehr lange, aber man kann viel ignorieren.

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Und hier meine „Vorgedanken“ – am Tag zuvor, wo ich nicht stand hielt und eigentlich schon nicht mehr kotzen wollte 😉